Gemeindearchivalien kehren gereinigt und entsäuert zurück

17.01. 2023

Kulturgut der Gemeinde Möhnesee aufbereitet

  • Gemeindearchivalien kehren zurück

Das Gemeindearchiv Möhnesee hat im April 2022 im Rahmen der Landesinitiative Substanzerhalt (LISE) Archivalien zur Aufbereitung in „Verjüngungskur“ geschickt. Sie kehren nun am 17.01.2023 frisch gereinigt und entsäuert zurück und stehen ab sofort wieder zur Benutzung zur Verfügung. Seitdem Papier im Laufe des 19. Jahrhunderts in Masse und immer billiger hergestellt wurde, sank die Qualität und der Säuregehalt stieg. Das Papier wird mit der Zeit brüchig und kann leicht reißen, daher muss es entsäuert werden, um es dauerhaft zu erhalten. Die entsäuerten Dokumente sind nun mit einem Säurepuffer versehen, der den Abbauprozess im Papier entscheidend verlangsamt. Eine Reinigung der Archivalien wirkt ebenfalls dem Papierzerfall entgegen, da das Entfernen von Verschmutzungen potentiellen Mikroorganismen und Schädlingen den Nährböden entzieht.

Das Archiv lädt interessierte Bürger herzlich ein, in den nun frisch zurückgekehrten historischen Dokumenten zu stöbern und in die Gemeindegeschichte einzutauchen. Durch die Teilnahme an LISE wird Sorge getragen, dass das schriftliche Kulturgut der Gemeinde Möhnesee dauerhaft erhalten bleibt, deshalb nimmt das Gemeindearchiv auch in diesem Jahr wieder an der Initiative teil.

Archivarin Lena Lewald mit der gereinigten Urkunde von 1602.

Bildquelle: Gemeinde Möhnesee

 Erhalt des Kulturguts der Gemeinde Möhnesee weiter gesichert

Die Urkunde von 1602 im Bestand Völlinghausen und die Syringer Mark, die für die Archivarin lange unentdeckt im Archivbestand schlummerte, kehrt ebenfalls am 17.01.2023 ins Archiv zurück. Die Urkunde aus der späten Renaissancezeit stellt mit Abstand eins der ältesten Stücke Verwaltungsschriftgut im Gemeinde­archiv dar. Sie ist nun 420 Jahre nach ihrer Entstehung Ende letzten Jahres im LWL-Archivamt in Münster restauriert und anschließend digitalisiert worden.

Der Tesafilm, der zur Überklebung der Falzen verwendet wurde, ist entfernt worden. Der durch den Tesafilm ins Papier eingedrungene Klebstoff ließ sich nicht mehr aus dem Papiervlies lösen, die Spuren sind also noch sichtbar. Die aufliegende Klebstoffschicht hatte eine sehr unangenehme kaugummiartige Konsistenz, die im Rahmen der Restaurierung erfreulicherweise nach und nach reduziert werden konnte. Die Urkunde ist nun auf einen Trägerkarton in einer Klappkassette montiert worden. So kann sie begutachtet werden, ohne das Papier direkt zu berühren. Dies dient dem vorbeugenden Schutz des Dokuments, denn es wirkt einer erneuten Verschmutzung entgegen.

Das Gemeindearchiv lädt Sie herzlich ein, auch diese nun wieder zurückgekehrte Urkunde einmal persönlich in Augen­schein zu nehmen. Vielleicht möchten Sie sich selbst im Lesen der 420 Jahre alten, in Kanzleischrift geschriebenen Worte im mittelniederdeutschen Dialekt versuchen, um gemeinsam am Erhalt des historischen Gedächt­nisses mitzuwirken.

Kontakt: 

Gemeindearchiv Möhnesee

Dr. Lena Lewald

Küerbiker Str. 1, Haus des Gastes (Seiteneingang)

59519 Möhnesee-Körbecke

02924/851967

archiv@moehnesee.de

 

Hintergrundinformationen:

Schriftgut aus der Gemeindegeschichte von Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ist nun wieder vor Ort. Es handelt sich um den Bestand A2 (Amtsverwaltung 1896-1945) sowie drei Archivschachteln von A3 (Amtsverwaltung 1945-1975) sind einer Entsäuerung unterzogen worden.

Die Urkunde von 1602 wurde zum Planlegen befeuchtet und anschließend vorsichtig beschwert. Ein Pressen des Papiers war aufgrund des rückseitig angebrachten Siegels nicht möglich. Damit bei einer Befeuchtung die Tinte nicht ausblutet, wurde nur indirekt über die Gasphase befeuchtet. Die Tinte kam so nicht in direkten Kontakt mit „flüssigem“ Wasser und nahm keinen Schaden. Anschließend sind die im Papier befindlichen Risse mit Japanpapier geschlossen worden.

Das Dokument ordnet den Arrest des Caspar von Fürstenberg zugunsten des Soester Bürgers Johan Dolfus an. Aufgrund einer Appellation (Berufung) bei dem Herzog von Kleve soll nun eine Klage wegen Rechts­verweigerung beim Reichskammergericht verhandelt werden. Sie bezeugt so das Rechtswesen in der Region zur Zeit des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit.